Impfquoten und Übersterblichkeit in deutschen Bundesländern

Einleitung

Vorgestern wurde ich auf eine Bundesländer-Analyse zur Impfquote und der Übersterblichkeit hingewiesen. (Die Studie ist auf der Seite von Ute Bergner (MdL Thüringen) abrufbar.) Die Ergebnisse dieser Studie überraschen mich nicht.

Ich selbst analysiere Daten zu Impfungen und Sterblichkeiten seit Anfang des Jahres. Egal, wie, wo oder wann ich die Daten analysiert habe (auch international), es zog sich eine Sache wie ein roter Faden durch alle Analysen: Immer waren die Sterblichkeits- oder Covid-Sterblichkeiten tendenziell dort schlechter, wo besonders viel geimpft wurde.

Die statistische Analyse ist aber nicht immer einfach, da die Datenverfügbarkeit und -qualität teilweise unterirdisch ist.

Bezogen auf die deutsche Datenlage muss ich feststellen, dass sich alle offiziellen Stellen dieses Landes, die zur Berichterstattung verpfichtet sind, dermaßen disqualifizert haben, dass mir als Bewohner desselben Landes eigentlich nur bleibt, vor Scham im Boden zu versinken.

Dennoch ist es möglich – wenn auch schwierig – anhand der unzureichend verfügbaren und leider auch nicht nicht sehr vertrauenswürdigen Daten, gewisse Schlussfolgerungen zu ziehen.

Die oben erwähnte Studie zur Übersterblichkeit im Vergleich zur Impfquote will ich hier nicht im Einzelnen diskutieren, da ich davon ausgehe, dass sie nach allen Regeln der Kunst erstellt wurde. Stattdessen habe ich nach einem Weg gesucht, die Betrachtung zu verfeinern.

Grundlegendes Problem in der Betrachtung von Übersterblichkeiten

Das grundlegende Problem in der statistischen Betrachtung von allgemeinen Sterblichkeiten, aber auch allein von Covid-Sterblichkeiten, besteht darin, dass die aktuelle Demografie nicht bekannt ist.

Wir wissen bereits in Hinsicht auf das Jahr 2020, dass zwar absolut etwa 46 Tausend Menschen mehr verstorben sind, als im Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019. Dennoch lag keine Übersterblichkeit vor! Das liegt daran, dass die Demografie im Jahr 2020 gravierend verändert war. Leider ist die Demografie (oder griffiger formuliert: die Altersverteilung) im Jahr 2021 nicht bekannt. Das ist aber ein wichtiger (wahrscheinlich der wichtigste!) Faktor, um Sterblichkeiten analysieren zu können.

Alternativen, die Sterblichkeiten zu analysieren

Im zweiten Halbjahr 2021 zeigt sich eine gravierende absolute Übersterblichkeit. Das Problem in der Analyse besteht aber darin, dass die Alterstruktur der deutschen Bevölkerung im allgemeinen als auch in den Bundesländern nicht bekannt ist.

Also muss ein statistischer Umweg gewählt werden. Die Über- oder Untersterblichkeiten in absoluten Zahlen im Jahr 2021 sagen nicht ausreichend viel aus, solange die Altersstruktur bzw. deren Veränderung nicht bekannt ist. Es ist aber möglich, die Veränderung der Sterblichkeiten innerhalb des Jahres 2021 zu analysieren.

Der dahinterstehende Gedanke ist Folgender: Die allgemeine Veränderung der Sterblichkeit im Jahr 2021 im Vergleich zum Durchschnitt der Vergangenheit sagt vielleicht nicht ausreichend viel aus. Aber es kann mit ziemlicher Sicherheit davon ausgegangen werden, dass die Altersstruktur der Bevölkerung sich nicht plötzlich einfach so ändert. Und mit diesem Prinzip kann man arbeiten.

Die Grundlagen der aktuellen Analyse

Daher habe ich Folgendes Verfahren gewählt: Zunächst habe ich bis zur Kalenderwoche 41 (bisher bei Destatis verfügbarer Zeitraum) die absolute Über – oder Untersterblichkeit im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2016 – 2020 in Prozent errechnet. Nun kann man einwenden, dass ja bereits im Jahr 2020 Covid-Tote auftraten, die den Durchschnitt verfälschen könnten. Das ist mir bewusst, aber

1. gab es im Jahr 2020 keine Übersterblichkeit

2. kam gerade im Jahr 2020 ganz besonders die demographische Veränderung zum Tragen, die berücksichtigt werden muss und

3. habe ich ebenfalls den Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019 betrachtet und keine gravierenden Unterschiede feststellen können.

Dann habe ich die Über- oder Untersterblichkeiten der letzten 8 Kalenderwochen bis zur Woche 41 zur Sterblichkeit des bisherigen ganzen Jahres 2021 in Vergleich gesetzt. Konkret heißt das, dass ich ermittelt habe, um wieviele Prozentpunkte die Sterblichkeit der letzten acht Wochen sich von der Sterblichkeit des bisherigen Gesamtjahres unterscheidet. Damit sollten demografische Einflüsse auf die Sterblichkeit minimiert sein.

Warum die Betrachtung eines Acht-Wochen-Zeitraums? Das ist ganz einfach: Es soll betrachtet werden, inwieweit die Covid-Impfquote einen positiven, neutralen oder negativen Einfluss auf die allgemeine Sterblichkeit hat. Der durchschnittliche Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfung beträgt in Deutschland laut der STIKO-Empfehlungen aufgrund der Anteile der verabreichten Impfstoffe mindestens 5,3 Wochen. Hinzugezählt werden müssen weitere 14 Tage, um als vollständig geimpft gewertet zu werden. Das ergibt einen Mindestzeitraum von 7,3 Wochen, Da ich die Daten wochenweise betrachte, ergibt das eine Aufrundung auf acht vollständige Wochen.

Die Über- oder Untersterblichkeiten pro Bundesland habe ich daraufhin in Relation zu den Erstimpfungen und auch den Zweitimpfungen gesetzt. Die Drittimpfungen habe ich zunächst außen vor gelassen, da es noch zu wenige sind bzw, die Unterschiede pro Bundesland für eine Auswertung noch zu gering sind.

Dabei habe ich aber zwei unterschiedliche Perspektiven angesetzt: Einmal die in der Woche 41 erreichte Gesamtquote der Impfungen als auch die Impfdosen, die nur in den letzten acht Wochen verabreicht wurden.

25.11.2021, Präzisierungen zu den folgenden Daten und Berechnungen

Durch den Kommentar eines Lesers ist mir eben klar geworden, dass ich die Berechnungen möglicherweise nicht klar genug dargelegt habe.

In diesem Beitrag geht es nicht um die Über- oder Untersterblichkeiten als solche, oder ob eine solche vorliegt oder nicht. Denn diese hängt ja sehr stark auch von der Demografie ab. Sondern es geht um die Frage, wie stark die Sterblichkeit im Jahr 2021 zunächst vom Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2020 abweicht und ob es in diesem Rahmen Auffälligkeiten in den letzten acht Wochen bis zur Woche 41 gibt. Dabei wurde zunächst die prozentuale Abweichung für das bisherige Gesamtjahr zum gleichen Zeitraum der Jahre 2016 bis 2020 berechnet. Im zweiten Schritt wurde die prozentuale Abweichung der letzten acht Wochen errechnet, ebenfalls zum gleichen Acht-Wochen-Zeitraum der Jahre 2016 bis 2020. Danach wurde ermittelt, wie stark die Sterblichkeitsabweichungen der letzten acht Wochen von den Sterblichkeitsabweichungen des Gesamtjahres abweichen. Alle Rechnungen jeweils auf das betreffende Bundesland bezogen.

Ziel ist es, demografische Effekte und auch saisonale Effekte möglichst zu minimieren.

Beispiel: Das Land Baden-Württemberg zeigt im Zeitraum der Wochen 1 bis 41/2021 eine Gesamtübersterblichkeit von 103,31 (= +3,31%) im Vergleich zum Durchschnitt der Wochen 1 bis 41 der Jahre 2016 bis 2020. Im Teilzeitraum der Wochen 34 bis 41 (8 Wochen) beträgt die Übersterblichkeit aber 107,95 (= +7,95 %) zum Durchschnitt des gleichen Zeitraums der Jahre 2016 bis 2020. Die Abweichung des Acht-Wochen-Zeitraums im Vergleich zum Gesamtjahr beträgt also +4,64 %-Punkte. Es hat sich also in den letzten acht Wochen etwas verändert; die Sterblichkeit ist gestiegen. Wäre der Wert der letzten Wochen aber ebenfalls 103.31 gewesen, so wäre die Differenz 0, also unauffällig.

Diese Abweichungen pro Bundesland werden in diesem Beitrag in Relation gesetzt.

Die Daten

1) Die Betrachtung des Zeitraums der letzten acht Wochen und der in diesem Zeitraum verabreichten Impfdosen

Im Folgenden ist dargestellt, um wieviele Prozentpunkte die Sterblichkeit der Wochen 34 bis 41 sich im Vergleich zum bisherigen Gesamtjahr 2021 verändert hat. Diese Veränderung (VÄ) wurde ins Verhältnis der im Zeitraum der Kalenderwochen 34 bis 41verabreichten Impfdosen (a) Erstimpfungen und b) Zweitimpfungen) gesetzt.

a) Erstimpfungen
b) Zweitimpfungen

Je nach Betrachtung der Erst- oder Zweitimpfungen liegt die Korrelation zwischen 0,33 und 0,41. Je mehr Impfungen, desto höher die Übersterblichkeit. Das ist ein starkes Stück!

2) Die Betrachtung des Zeitraums der letzten acht Wochen und der insgesamt bis KW 41 erreichten Impfquote

Im Folgenden ist ebenfalls dargestellt, um wieviele Prozentpunkte die Sterblichkeit der Wochen 34 bis 41 sich im Vergleich zum bisherigen Gesamtjahr 2021 verändert hat. Diese Veränderung (VÄ) wurde nun ins Verhältnis der in der Woche 41 erreichten Impfquote (a) Erstimpfungen und b) Zweitimpfungen) gesetzt.

a) Erstimpfungen
b) Zweitimpfungen

Auch hier liegt eine positive Korrelation zwischen Impfquote und Übersterblichkeit vor. Sprich: Je höher die Impfquote, desto höher die Übersterblichkeit. Die Korrelationen liegen zwischen 0,60 und 0,62. Das sind in diesem Zusammenhang sehr starke Korrelationen!

Fazit

Wie gesagt: Aus welcher Perspektive ich die Daten im letzten Jahr auch betrachtet habe, die Daten sprachen tendenziell nie für einen positiven Effekt der Impfung.

Aber diese Analyse hier zeigt noch katastrophalere Relationen als alle bisherigen Betrachtungen.


Quellen

Destatis Sonderauswertung Todesfälle

https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Sterbefaelle-Lebenserwartung/Tabellen/sonderauswertung-sterbefaelle.html;jsessionid=5CEEE6B69887285095ADE798EBF52DFF.live712

RKI-Impfdaten

https://github.com/robert-koch-institut/COVID-19-Impfungen_in_Deutschland

4 Kommentare zu „Impfquoten und Übersterblichkeit in deutschen Bundesländern

  1. Danke für diese Auswertung! Ich möchte noch zu bedenken geben, dass durch die hier gewählte Betrachtung eines relativ kurzen Zeitraumes (8 Wochen) und durch unterjährige Schwankungen der Sterblichkeit, eine Kausalität nur vorgetäuscht sein könnte. Der betrachtete Zeitraum liegt am Anfang des Herbstes. Also zu Beginn der Erkältungszeit. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die diesjährige Erkältungswelle genau in diesem Zeitraum ein Hoch hatte, so dass im Vergleich zum restlichen Jahr besonders viele Menschen ihrem Infekt erlegen sind. Besonders da wir ja in der vergangenen Grippesaison daran gehindert wurden unser Immunsystem in angemessener Weise zu trainieren. Das nur als Anmerkung. Genaueres werden wir wohl nur mit besseren Rohdaten erfahren können.

    VG sö

    Gefällt mir

    1. Ich kann Ihre Anmerkungen nachvollziehen. Allerdings ist dieser Zeitraum von 8 Wochen absichtlich gewählt. Zunächst sind zwei Monate gar nicht einmal so wenig (etwa 20% des bisher betrachteten Gesamtjahres). Zweitens, weil der Zeitraum, ausgehend von der KW 41 mit den bis dahin meisten Geimpften, den durchschnittlich notwenigen Zeitraum bis zum vollen Impfschutz umfasst. Und Drittens habe ich nicht die Übersterblichkeiten an sich betrachtet, sondern die Veränderungen in diesem Zeitraum im Vergleich zur Sterblichkeit im Gesamtjahr des jeweiligen Bundeslandes Nur so ist es möglich, mögliche demografische Verzerrungen abzumildern, solange die tatsächliche Demografie nicht bekannt ist.
      Übrigens spielen Infektionskrankheiten – wie auch Corona – in diesem Zeitraum eine trotzdem noch vergleichsweise untergeordnete Rolle. Allerdings, selbst wenn es nicht so wäre, so gilt das ja ebenfalls für den Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2020, auf dessen Grundlage die Über- oder Untersterblichkeiten des Jahres 2021 errechnet werden.

      …Und jetzt fällt bei gerade der Groschen! 😊 Mir fällt nämlich durch Ihren Kommentar auf, dass ich das in meinem Beitrag möglicherweise nicht klar genug herausgestellt habe. Daher vielen Dank für Ihren Kommentar!
      In diesem Beitrag geht es also nicht um die Über- oder Untersterblichkeiten als solche, die ja sehr stark von der Demografie abhängen, sondern um die Frage, wie stark die Sterblichkeit im Jahr 2021 vom Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2020 abweicht. Dabei wurde zunächst die prozentuale Abweichung für das bisherige Gesamtjahr zum gleichen Zeitraum der Jahre 2016 bis 2020 betrachtet. Im zweiten Schritt wurde die prozentuale Abweichung der letzten acht Wochen errechnet, ebenfalls zum gleichen Acht-Wochen-Zeitraum der Jahre 2016 bis 2020. Dann wurde ermittelt, wie stark die Sterblichkeitsabweichungen von den Sterblichkeitsabweichungen des Gesamtjahres abweichen. Alle Rechnungen jeweils auf das betreffende Bundesland bezogen.
      Damit sollten demografische Effekte und auch saisonale Effekte möglichst minimiert werden.

      Beispiel: Das Land Baden-Württemberg zeigt im Zeitraum der Wochen 1 bis 41/2021 eine Gesamtübersterblichkeit von 103,31 (=+3,31%) im Vergleich zum Durchschnitt der Wochen 1 bis 41 der Jahre 2016 bis 2020. Im Teilzeitraum der Wochen 34 bis 41 (8 Wochen) beträgt die Übersterblichkeit aber 107,95 (=+7,95 %) zum Durchschnitt des gleichen Zeitraums der Jahre 2016 bis 2020. Die Abweichung des Acht-Wochen-Zeitraums im Vergleich zum Gesamtjahr beträgt also +4,64 %-Punkte. Es hat sich also in den letzten acht Wochen etwas verändert, die Sterblichkeit ist gestiegen. Wäre der Wert der letzten Wochen aber ebenfalls 103.31 gewesen, so wäre die Differenz 0, also unauffällig.
      Diese Abweichungen pro Bundesland werden in diesem Beitrag in Relation gesetzt.

      Ich hoffe, ich konnte es klarer darlegen und ich werde es im Beitrag präzisieren.
      Viele Grüße,
      Thorsten Wiethölter

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Erstelle deine Website mit WordPress.com
Jetzt starten
%d Bloggern gefällt das: